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Kaum zu glauben...

 

Als ich heute Morgen aus dem Haus ging, lag auf der Straße vor der Einfahrt ein überfahrener Weihnachtsmann. Aus Schokolade.

 

Ist Weihnachten unter die Räder gekommen? Oder anders gefragt:

Glaubst du (noch) an den Weihnachtsmann?

 

Ich finde diese Frage wichtiger:

 

Glaubst du (noch) an Jesus?

 

Wie komme ich auf diese Frage?

Neulich hörte ich von einem Mann, der seit einiger Zeit zu Gemeindeveranstaltungen und zum Gottesdienst kommt. Er konnte aber noch nicht davon überzeugt werden, dass Weihnachten mit der Geburt Jesu zu tun hat.

 

Kaum zu glauben für mich. War nicht hier in der Gemeinde – aber was feiern die Leute denn eigentlich an Weihnachten?

 

Mich hat dies tief bewegt. Zeigt es doch, wie schwer es ist, die Ereignisse vor 2000 Jahren zu glauben. Wie schwer es ist, alles andere, was dann mit Jesus passiert ist, zu glauben. Anzunehmen, dass das für einen ganz persönlich geschehen ist.

 

Dabei stehen am Anfang der Weihnachtsgeschichte nach Lukas diese altbekannten vier Worte:

 

Es begab sich aber…

Das klingt nach einer Tatsachenbeschreibung.

 

1 Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. 2 Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. 3 Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt. 4 Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das judäische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, darum dass er von dem Hause und Geschlechte Davids war, 5 auf dass er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger. 6 Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. 7 Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge. (Lukas 2,1-7)

 

Es begab sich - zu einer Zeit, in der die Welt aus den Fugen ist. Das Römische Reich ist sehr produktiv und innovativ. Eine Erfindung jagt die nächste. Alles verändert sich. Ein Straßennetz von fast hunderttausend Kilometern entsteht, das bis in den letzten Winkel der Welt reicht. Schiffe verkehren zwischen Spanien und Indien. Neben den Slums wachsen in Städten wie Rom, Alexandria, Antiochia und Ephesus auch die Villen und Geschäftsviertel. Täglich werden Nachrichten ins ganze Reich geschickt, Vorläufer der Tagesszeitungen. Neuerdings auf Notizheften aus Papyrus, nicht mehr auf den unhandlichen Steintafeln. Die römische Armee sorgt für Ordnung und Disziplin im Reich. Die Kehrseite: Menschen wollen wie Gott sein. Die Machtfülle der Autokraten hat schreckliche Folgen: Cäsar brüstet sich damit, auf seinen Eroberungszügen exakt 1.192.000 Menschen getötet zu haben.

 

Nach seinem Tod übernimmt sein Großneffe Augustus die Macht und baut sie weiter aus. Augustus ist auch Oberster Priester, Fürsprecher der Götter. Brot und Spiele helfen ihm dabei, die Menschen bei Laune zu halten. Andererseits werden Familienwerte wieder hochgehalten.

 

Mittendrin das kleine Galiläa am Rande Israels. Die Menschen hier gelten als besonders konservativ. Und religiös. Die regelmäßige Pilgerfahrt nach Jerusalem ist mehr oder weniger Pflicht. Gleichzeitig ist überall die Sehnsucht nach dem verheißenen Messias, dem Erlöser, zu spüren.

 

Doch Galiläa ist ein Land im freien Fall. Spielball der Großmächte. In Jerusalem regiert der von den Römern eingesetzte Despot Herodes. Seine Schreckensherrschaft geht zu Ende. Gleichzeitig endet in Rom nun die Glücksträhne von Kaiser Augustus. Im benachbarten Persien toben blutige Machtkämpfe. Es ist eine Zeitenwende.

 

Und Gott? Der schweigt schon lange. Zuletzt hat er den Propheten Maleachi geschickt. Siehe, ich sende meinen Boten, damit er den Weg vor mir her bereite (Maleachi 3,1) ließ er ihn sagen. Doch das ist lange her. Schon 400 Jahre.

 

Es begab sich aber, dass die Großmannssucht des Kaisers zu einer der Volkszählungen führt, die in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen durchgeführt werden, damit die Herrschenden einen Überblick über die steuerpflichtigen Bürger behalten. Und sich gleichzeitig noch einen Treueschwur einfordern.

 

Und das kommt nun Josef aus dem galiläischen Städtchen Nazareth, der sich in einer schwierigen Lage befindet, zur Hilfe.

 

Denn er ist der vermeintlich gehörnte Verlobte von Maria, die schwanger ist – aber nicht von ihm. Damals eine Katastrophe. Angeblich ist das Kind vom Heiligen Geist gezeugt. Aber das ist schon für Josef schwer zu glauben.

 

Die Volkszählung bietet ihm nun die Möglichkeit, sich mit seiner Verlobten aus dem Staub des engen Kleinstädtchens zu machen, wo vermutlich über ihn getuschelt wird.

 

Kaum zu glauben I: Das Kind in der Krippe

Weil Josef in Bethlehem geboren ist, muss er sich mit seiner Familie dorthin zur Zählung aufmachen. Vorbei müssen sie an Jerusalem, wo gerade der blanke Terror herrscht. Der schwerkranke Herodes durchkämmt regelmäßig seinen Hofstaat und seine Familie. Jeder, der im Verdacht steht illoyal zu sein, verliert rasch das Leben.

 

Der Weg an sich ist für das Paar ebenfalls nicht ohne. Überall sind die Spione von Herodes aktiv. Im Samariterland ist regelmäßig mit Überfällen zu rechnen.

 

Schließlich erreichen Maria und Josef aber heil das kleine Bethlehem, in dem es gegen unsere Vorstellung gar keine Pensionen und Hotels gibt, die voll sein könnten. In der Regel kommt man bei Verwandten unter. Warum dies hier nicht geschieht, wissen wir nicht.

 

Nun liegt das neugeborene Kind in einem Stall in der Krippe. Ärmlicher geht es nicht. Es riecht. Wie bei einem Neugeborenen in Gaza oder im Sudan. Wobei es dort höchstens ein Zelt gibt, wenn es nicht gerade von einem Unwetter weggespült ist.

 

Klein liegt er da. Jesus. In der Krippe. Im Stall. In der kleinen Stadt Bethlehem. Ob Maria oder Joseph an die Verheißung denken, die über dieser Stadt liegt?

 

Und du, Bethlehem Efrata, die du klein bist unter den Tausenden in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist (Micha 5,1), hatte der Prophet Micha vor gut 700 Jahren gesagt. Eine der vielen Weissagungen der Propzheten, die die Messiaserwartung schüren.

 

Maria wird mehr als einmal seufzend an den Besuch des Engels bei ihr vor 10 Monaten denken, der zu ihr sagte:

 

31 Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben. 32 Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben, 33 und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben. (Lukas 1, 31-33)

 

Kaum zu glauben…

 

Das Kind in der Krippe. Klein. Schutzlos, wehrlos. Jesus. Der Sohn des Höchsten?

 

Klein ist auch die Anzahl der Besucher. Hirten vom Feld, die für einen schmalen Taler die Schafe der reichen Bauern hüten. Das Geld reicht nicht zum Leben und nicht zum Sterben. Manch Hirte bessert daher das Einkommen durch Diebstähle und Überfälle auf.

 

Aber: zu diesem zwielichtigen Haufen macht sich ein großer Engelschor auf, um die Gute Nachricht zu überbringen: Der Messias ist geboren!

 

Klein ist auch die Wirkung, als die Hirten nach ihrem Besuch im Stall überall davon erzählen.

 

Soweit wir wissen, kommt kein Rabbiner, kein Gelehrter, kein Vertreter des religiösen Establishments vorbei, um die Erfüllung der Weissagungen der Propheten zu prüfen. Sind sie so in ihrem religiösen Alltagsbetrieb, im Hier und Heute verankert, dass sie nicht die Zeichen der Zeit erkennen?

 

Klein geht es weiter. Die Umstände bessern sich nicht. Maria und Josef müssen mit dem Neugeborenen sogar nach Ägypten flüchten. Welche Zweifel mögen Maria da wohl befallen haben?

 

Grund für die Flucht, die sie mit Millionen Menschen heute teilt, ist, dass einer doch die Weissagungen ernst genommen hat: Herodes sieht sich in seiner Macht bedroht, als drei weise Männer aus dem Osten davon berichten, dass der verheißene neue König in Bethlehem geboren sei. Da sie schlauerweise auf dem Rückweg eine neue Begegnung vermeiden und ihm daher Details verschweigen, lässt er vorsorglich alle neugeborenen Kinder in Bethlehem töten.

 

Der Feind erkennt die Bedeutung manchmal schärfer als die eigenen Leute!

 

Kaum zu glauben ist diese ganze Geschichte. Und sie wird ja heute häufig in Frage gestellt. Gott kommt in Gestalt seinen Sohnes Jesus in ärmlichste Verhältnisse auf die Welt.

 

Kaum zu glauben - liegt es daran, dass diese Geschichte so ziemlich alles in Frage stellt, was wir Menschen für wichtig halten?

 

Schauen wir uns doch um: hier und heute zählt nur das, was wichtig, mächtig und groß ist. Jeder Post in Social Media, jeder Zeitungsartikel, jede Erwartung an die Politik, ja, die Wahlergebnisse weltweit drücken sie aus: diese Sehnsucht nach dem starken Mann.

 

Dem Mann, der sagt, wo es langgeht.

 

Dem Mann, der Armut beseitigt, der Frieden schafft.

 

Dem Mann, der uns erlöst von dem ganzen Übel.

 

Gott hat Humor. Genau dieser Mann, den alle herbeisehnen, heute wie vor 2000 Jahren, liegt schon in der Krippe im Stall.

 

Kaum zu glauben II: Jesu Weg zum Kreuz

Als Jesus später in Galiläa herumzieht, erkennen ihn wieder gerade die eigenen Leute nicht. Ein Prophet gilt nichts im eigenen Land.

 

Nochmal, es ist ja auch kaum zu glauben. Und wenn wir die Geschichte weiterlesen, wenn wir auf das Ende sehen: ist Jesus denn wirklich mehr als eine gescheiterte Existenz? Einer von vielen, den die Römer ohne mit der Wimper zucken, an einem Kreuz foltern und elend verrecken lassen? Der Aufmerksamkeit und des Hallos der Bevölkerung können sie sich sicher sein.

 

Dabei gibt sich Jesus auf dem Weg zum Kreuz mit sichtbaren Zeichen und Wundern alle Mühe, die Menschen von seiner Macht zu überzeugen. Vier Evangelien in der Bibel berichten genauestens über diese drei Jahre seines Wirkens.

 

Das Ergebnis: die einen laufen ihm nach, nehmen alles Mögliche auf sich, um ihm nahe zu sein. Die anderen lehnen ihn ab, sehen sich in ihrer Macht bedroht. Nach Johannes ist es gerade die Auferweckung des toten Lazarus, die die Fantasie der religiösen Elite beflügelt, wie sie am besten Jesus zur Seite schaffen können.

 

Matthäus leitet seinen Bericht über die Beratung der Hohepriester und der Ältesten wieder mit den Worten ein: und es begab sich…

 

Ja, und es begab sich dann, dass Jesus gefangen genommen wird, gekreuzigt wird.

 

Kaum zu glauben, dass gerade jetzt Menschen plötzlich das wahre Wesen von Jesus erkennen, die sich vorher mit religiösen Dingen vermutlich nicht so auskannten: der Hauptmann mit seinen Soldaten, die den sterbenden Jesus bewachen: Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen (Matthäus 27,54) entfährt es ihnen, als Jesus gestorben ist.

Kaum zu glauben III: Jesus lebt!

Kaum zu glauben ist selbst für Jesu Jünger, die 3 Jahre mit ihm durch dick und dünn gegangen sind, was danach geschieht. Und als diese hörten, dass er [Jesus] lebe und sei ihr erschienen, glaubten sie es nicht, heißt es in Markus 16,11 über die Jünger, nachdem Maria Magdalena ihnen von ihrer Begegnung mit dem auferstandenen Jesus berichtet hat. So ehrlich ist die Bibel.

 

Sie können es erst glauben, als er leibhaftig vor ihnen steht und später in den Himmel verschwindet.

 

Da wird ihnen klar:

 

Jesus hat den Tod besiegt und ist aus dem Grab auferstanden.

 

Jesus sitzt nun auf dem Thron.

 

Kaum zu glauben ist das alles auch für die ersten Christen. In der Apostelgeschichte und den Briefen des Apostel Paulus wird sehr deutlich, dass es sehr unterschiedliche Ansichten gibt. Jedenfalls brauchen die Christen lange, um zu klären, was sie eigentlich glauben. Erstmals in großer Runde auf dem großen Konzil vor genau 1700 Jahren in Nizäa in der heutigen Türkei. Ein Jubiläum, das in diesem Jahr bei uns ziemlich untergegangen ist.

 

Dies Konzil findet statt auf Veranlassung von Kaiser Konstantin, der Christen nicht mehr verfolgt, sondern anerkennt - als stabilisierenden Faktor im Römischen Reich. Er sieht sich als Oberhaupt dieser Kirche. Die Bischöfe, die sich dort in Nizäa treffen, weisen oftmals noch die Narben und Verkrüppelungen durch die Folterungen in der Verfolgung auf.

 

Dinge können sich ändern. Gerade daran zeigt sich die wahre Macht Jesu.

 

Die entscheidende Formulierung, um die in Nizäa damals so gerungen wird und die schließlich eine bis heute gültige Richtungsentscheidung ist: Jesus ist eines Wesens mit dem Vater. Gott und Jesus sind gleich. Auf späteren Konzilen wird dann herausgestellt, dass dies auch für den Heiligen Geist gilt. Vater, Sohn und Heiliger Geist sind eins, sind Gott.

 

Kaum zu glauben ist das schon damals und deshalb ist darum so gerungen worden.

 

Kaum zu glauben ist das heute.

 

Glaubst du das? Advent ist noch nicht vorbei

Wesensgleich – was bedeutet das? Letztlich bedeutet das, dass Gott in Gestalt seines eigenen Sohnes uns Menschen entgegenkommt.

 

Jesus ist Gott von Gott, Licht von Licht, wahrer Gott vom wahren Gott – wie es in dem Bekenntnis heißt, das mit den Erweiterungen der Folgekonzile das ökumenische Glaubensbekenntnis ist, hinter dem die orthodoxen, katholischen und evangelischen Kirchen bis heute stehen. Auch wenn es bei uns Evangelischen nicht so die Rolle spielt.

 

Jesus zeigte uns die Liebe des Vaters, indem er sich in seiner Zeit auf der Erde wie ein wahrer Sohn verhielt.

 

Jesus ist zu unserem Heil gekommen, wenn wir das erkennen und seinen Tod am Kreuz als unsere Erlösung begreifen.

 

Jesus ist vom Tod auferstanden, er hat die Macht des Todes ein für alle Mal besiegt.

 

Jesus sitzt heute auf dem Thron im Himmel zur Rechten Gottes.

 

Kaum zu glauben…

 

Ich bin dankbar, dass ich das glauben darf.

 

Glaubst du das?...

 

Das, was in der Krippe begann, zeigt mir:

 

Gott treibt die Sehnsucht zu den Menschen.

Gott hat uns die Sehnsucht nach der Erlösung und der Ewigkeit ins Herz gelegt.

 

Und das ist heute nicht vorbei.

 

Weihnachten ist immer wieder, wenn Gott in dein Herz kommt, Deine Sehnsucht stillt.

 

Und: der Heilige Abend mag vorbei sein. Wir, die wir glauben dürfen, erwarten den Heiligen Tag!

 

Den Tag, an dem die Engelchöre nicht nur den Hirten Frohe Botschaft bringen, sondern dem dreieinigen Gott auf seinem Thron Heilig, heilig, heilig! singen. Mit allen, die an ihn glauben. Und da möchte ich dabei sein!

 

Deshalb ist für uns immer noch Advent, wenn wir diesen Tag herbeisehnen.

 

Deshalb ist nicht so wichtig, was wir in diesen Tagen in die Vorgärten stellen:

Wichtel, Rentiere, Feen.

Oder wer die meisten blinkenden, quietschbunten Lichter vorm Haus hat.

Oder was an Weihnachten gegessen wird,

oder ob Weihnachten im Paketshop, beim Discounter oder in der Kirche stattfindet.

 

Die wichtigste Frage ist: Glaubst Du das? Glaubst Du, dass Jesus für Dich aus dem Himmel heruntergekommen ist, einmal wieder kommen wird, weil er mit Dir die Ewigkeit verbringen möchte?

 

 

Amen.

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