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Jung wie ein Adler

Lobe den Herrn, der deinen Mund fröhlich macht […] und du wieder jung wirst wie ein Adler.

Psalm 103,2, 5

 

 

Diese Predigt gilt nicht nur den Älteren. Ganz im Gegenteil.

 

Meist steht der erste Teil im Vordergrund: Lobe den Herrn! Das geschieht z.B. mit unseren Liedern und Gebeten im Gottesdienst.

 

Hier in der Predigt soll es heute um den zweiten Teil gehen, weil wir - glaube ich - gar nicht genau wissen, was dieses Bild mit dem Adler soll. Warum wir jung wie ein Adler werden sollen.

 

 

1.     Adlerauge

 

Ein paar Daten zum Adler: Ein Adler:

·       Sieht achtmal schärfer als ein Mensch,

·       Erkennt aus mehr als 3km Entfernung eine Maus am Boden,

·       Wird bis zu 1m lang und 6,5 kg schwer,

·       Hat Flügel mit einer Spannweite von bis zu 3m

·       Im Sturzflug erreicht er bis zu 300 km/h, kann in Aufwinden mit bis zu 200 km/h segeln,

·       Fliegt bis zu 7,5 km hoch.

 

Adlerauge

 

Das wichtigste Merkmal des Adlers sind seine Augen. Sie sind in der Lage, die Beute zu fixieren, sie nicht mehr aus den Augen zu lassen!

 

Gott hatte auch so einen fokussierten Blick, als er die Erde schuf. Der unserem Psalm folgende Psalm 104 erzählt davon, welch großartige Dinge Gott geschaffen hat.

 

Gott sprach: Es werde Licht! Hat ein Mensch schon mal einen großartigen Sonnenuntergang mit alle seinen glühenden Farben nachmachen können?

 

Gott sprach: Erde und Wasser sollen sich trennen. Herrliche Strände, Inseln unter Palmen sind das Ergebnis.

 

Gott schuf die Berge: Sie wurden so gewaltig hoch, dass die es Jahrmillionen dauerte, bis ein Mensch erstmals auf dem höchsten Gipfel stand.

 

Gott sah etwas und setzte es dann um.

 

Und etwas davon will er uns abgeben: Wenn wir nichts sehen, dann sieht ER schon, was kommen wird. So sollen wir werden.

 

 

Werde ein Adler

 

Manchmal sind wir komische Vögel. So wie es allerlei komische Vögel gibt:

 

·       Der Papagei ist der Schwätzer unter den Vögeln. Er plappert alles nach.

·       Der Kuckuck ist ein Schmarotzer. Er nutzt andere aus.

·       Der Geier steht auf alles Faule und Verdorbene.

·       Die Krähe krächzt. Krächzt ständig wegen irgendwas. Nervt.

·       Der Pfau stellt sich zur Schau.

·       Der Wellensittich ist genügsam. Er ist zufrieden, sein Leben hinter Gittern zu verbringen.

·       Ein Huhn ist furchtbar ängstlich.

 

Wir sollten nicht Huhn bleiben. Oder Papagei. Oder Geier.

 

Wir sollten Adler werden.

 

Wir können ein Adler werden, weil Gott selbst uns trainieren will. So wie er es z.B. mit Abraham machte. Mit ihm spielte er damals das Spiel: Ich sehe was, was du nicht siehst. Gott hatte eine Vision für ihn. Gott gab Abraham das Versprechen, dass er Vater vieler Nationen werden sollte. Abraham war zum Zeitpunkt des Versprechens achtzig Jahre alt – seine Frau Sara nur wenig jünger - und hatte naturgemäß Schwierigkeiten zu sehen, was Gott sah.

 

Gott ließ ihn aber sehen. Er ging mit Abraham vors Zelt und sagte Schau die Sterne an. So viele Nachkommen wirst du haben! Sechstausend Sterne waren zu sehen. Ihr könnt ja heute Abend mal nachzählen!

 

Und für Abraham und uns, die wir ja wissen, dass das Versprechen nicht funktioniert, gibt Gott noch einen drauf: Geh runter zum Strand und schau dir die Sandkörner an. So viele Verwandte wirst du haben!

 

Damit hatte Abraham zwei Bilder von Gott bekommen. Wenn der Glaube mal schwach wurde, sah er zu den Sternen, wenn er mal wieder zu sich sagte, meine Knochen tun weh, ich bin zu alt, Gott kann das nicht so gemeint haben, dann setzte er sich in den Sand und ließ die Sandkörner durch die Finger rieseln.

 

So trainiert Gott, damit wir sehen können wie ein Adler.

 

 

Gott lehrt uns fliegen.

 

Im Lied des Mose (5. Mose 32) wird das Training von Jakob sprich Israel durch Gott folgendermaßen besungen:

Er fand ihn in der Wüste, in der öden Einöde sah er ihn. Er umfing ihn und hatte acht auf ihn. Er behütete ihn wie seinen Augapfel. Wie ein Adler ausführt seine Jungen und über ihnen schwebt, so breitete er seine Fittiche aus und trug ihn auf seinen Flügeln Der Herr allein leitete ihn und kein fremder Gott war mit ihm. 5. Mose 32, 10-12

 

Was will uns dieses Bild in der Bibel sagen? Beim Adler beginnt es so – so habe ich es gelesen – : Die Adler-Eltern fangen im Adlerhorst an, mit den Flügeln zu schlagen. Durch den dadurch entstehenden Wind werden die kleinen Adler ein wenig vom Boden abgehoben. Noch bevor sie wirklich Federn haben, denken die Jungen schon: Wir können fliegen!

Aber das Training muss weitergehen. Damit die Jungen wirklich anfangen zu fliegen. Wenn die Jungen so um die drei Monate alt sind, beginnt die Mutter plötzlich damit, alles aus dem Nest zu schmeißen, was es im Nest so gemütlich gemacht hat.

Die Adlereltern wissen, dass die Jungen fliegen lernen müssen, weil sie sonst verhungern würden. Doch die Jungen sind noch nicht bereit zu fliegen.

 

Gott geht ganz ähnlich vor. Der Psalmdichter unseres Eingangsverses hat dies so erlebt. Es heißt hier nämlich im Zusammenhang: Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat, der dir heilet  alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit, der deinen Mund fröhlich macht und du wieder jung wirst wie ein Adler. Psalm 103, 2-5

 

So jung wie ein kleiner Adler, den die Adlermutter nun pieken muss, damit er das Nest verlässt. Die Adlerjungen verstehen ihre Eltern jetzt nicht mehr, so wir manchmal auch nicht verstehen, warum Gott uns piekt.

 

Bei den Adlern im Hotel Mama ändert sich jetzt nämlich einiges, weil die kleinen Adler von sich aus noch nicht in die Gänge kommen:

-        Das Essen wird gestrichen

-        Die Eltern halten sich öfters vom Horst fern,

-        Um den ganzen die Krone aufzusetzen, fliegt die Adlermutter nun ab und an mit einem leckeren Stück Fleisch vorbei. Aber meist ist die Angst vorm Fliegen noch größer als der Hunger.

-        Dann greift die Adlermutter zum letzten Mittel: sie schmeißt das Junge aus dem Nest. Keine Diskussion mehr.

Nun geht es so zu wie in dem vorhin erwähnten Bild:

 

Die kleinen Adler, die noch nie in ihrem Leben geflogen sind, stürzen nun den Felsen hinab, rasen auf die Erde zu. Doch in diesem Moment rauscht die Mutter herbei, um sie aufzufangen. Und bringt sie wieder ins Nest, um sie kurz darauf wieder rauszustoßen. Achterbahn. Das geht so, bis dem Jungen plötzlich aufgeht, er kann selber fliegen!

 

Kommt uns das bekannt vor? Hat Gott nicht auch an uns schon so gearbeitet? Musste uns auf die Sprünge helfen?

 

Weil er mehr in uns sieht, als wir selbst.

Weil er weiter sieht.

Weil er uns zu jungen Adlern machen möchte, die selbst weiter sehen.

 

Das Tröstliche ist: wenn wir abstürzen, es mit dem Fliegen doch nicht so klappt, wird er uns auffangen. Wir können nicht tiefer fallen, als in seine Hand.

 

Seinem Volk rief Gott zu, als sie am Sinai ankommen: Ihr habt gesehen, was ich mit den Ägyptern getan habe und wie ich euch getragen habe auf Adlerflügeln und euch zu mir gebracht. 2. Mose 19,4.

 

Das Ziel des Ganzen ist, dass Gott uns zu sich bringen will. Zu sich in Sicherheit. Und das geht nur, wenn wir uns Bewegung setzen.

 

Wir haben so viele Ausreden, da zu bleiben wo wir sind. Wir wollen nicht aus dem Nest. Können das gar nicht. Sind gerne Opfer des Schicksals. Es gibt ja auch so viele, die gescheitert sind.

 

Aber so kommen wir nicht zu Gott! Denn:

Aber alle, die ihre Hoffnung auf den Herrn setzen, bekommen neue Kraft. Sie sind wie Adler, denen mächtige Schwingen wachsen. Sie gehen und werden nicht müde, sie laufen und sind nicht erschöpft. Jesaja 40,31

 

Es geht nicht um Wellness-Glauben, sondern um einen tiefen Glauben, ein Vertrauen, dass Gott uns wirklich so auffängt so wie eine Adlermutter ihr Junges auffängt, das sie aus dem Nest gestoßen hat.

 

2.     Stürme des Lebens

 

Stürme des Lebens kommen, da können wir oft nichts machen. Manchmal sind wir auch selbst schuld, wenn es um uns herum ungemütlich wird, aber oft kommt das einfach so.

 

Wir können nichts für die Krebsdiagnose, den Tod eines lieben Menschen, um einmal in die Extreme zu gehen.

 

Als Einzelne und auch als Gemeinde können wir nichts für die Stürme, die um uns herum ausbrechen, gesellschaftlich oder politisch z.B.

 

Ich persönlich war immer froh, dass ich in Freiheit im Westen aufgewachsen bin, schon 61 Jahre im Frieden lebe, meinen Glauben leben kann und nicht in einer Diktatur lebe. Meine Großeltern und Eltern hatten da in ihrem Leben ganz anderen Gegenwind und einige von Euch erinnern sich noch an das, was die DDR-Zeiten bedeuteten.

 

Auch hier können wir wieder vom Adler lernen: Er wird durch die Stürme stark. Ihm wachsen mächtige Schwingen. Er geht den Stürmen nicht aus dem Weg, sondern sucht sie geradezu.

 

Was passiert, wenn ein Sturm kommt: das Huhn versteckt sich im Hühnerstall, das Kaninchen verkriecht sich in die Höhle, die Biene zieht sich in den Bienenstock zurück und das Reh verkriecht sich im Wald.

 

Und wir Menschen? Ziehen gerne die Rollläden runter, drehen die Heizung noch ein bisschen höher und machens uns vor dem Fernseher gemütlich? Oder?

 

Ein Adler macht es anders. Er fliegt geradewegs in den Sturm hinaus, weil er weiß, dass ihn das stark macht und er sehr viel höher kommt, als ohne Sturm. Sobald er an der Flanke des Sturmes ist, stoppt der Adler den Flügelschlag und nutzt den wütenden Auftrieb, um in große Höhen zu kommen.

 

Was genau passiert da?

 

1. Der Adler kennt keine Angst. Er sieht den Sturm und nutzt ihn aus.

Unser Glaube wird stärker, wenn wir uns der Angst stellen. Manchmal stillt Gott den Sturm, manchmal schickt er uns aber auch einen, um uns zu stärken.

 

Schon seinem eigenen Volk, das er bis heute besonders lieb hat, zeigte er einige Lektionen:

Erinnert euch an den ganzen Weg, den der Herr, euer Gott, euch während dieser vierzig Jahre durch die Wüste führte. Dadurch wollte er euch demütigen und auf die Probe stellen, um euren wahren Charakter ans Licht zu bringen und um zu sehen, ob ihr seine Gebote befolgen würdet oder nicht. 5. Mose 8,2

 

Ein Gott, der uns testet, passt das in unser Bild?

 

Weil die Israeliten in allen Tests durchfielen, liefen sie vierzig Jahre im Kreis durch die Wüste. Wollen wir das auch? Oder wollen wir aus dem Kreis ausbrechen, aus den vermeintlichen Endlosschleifen und geradezu auf Gott zu laufen und ihm vertrauen? So wie Petrus aus dem Boot ausstieg und auf Jesus zulief, wie wir es vor einiger Zeit gehört haben.

 

2. Der Adler signalisiert mit seiner Haltung, dass er bereit ist, in den Sturm zu fliegen.

Er streckt die Flügel weit aus, er fokussiert sich auf die Aufgabe.

Schwierigkeiten zwingen uns, uns auf Gott auszurichten.

 

Gott kann uns vor allem bewahren, aber so wenig wie er Josef vor dem Gefängnis, Daniel vor der Löwengrube, Jeremia vor der Schlammgrube, die drei jungen Israeliten vor dem Feuerofen und seinen eigenen Sohn Jesus vor dem Kreuz bewahrte, wird er uns in jedem Fall vor den Stürmen bewahren, weil er weiß, dass uns das stärken kann.

 

Alle kamen stärker aus den Situationen heraus, als sie reingegangen waren.

 

Vielleicht hast du wie ich die Erfahrung gemacht, dass die intensivsten Zeiten deines Lebens die waren, als du dich ganz an Gott klammern musstest, wenn dein Herz zerbrochen , der Schmerz am größten war, alle Möglichkeiten erschöpft schienen und du dich mit letzter Kraft an Gott gewendet hast, ehrlich und aufrichtig zu ihm gebetet hast.

 

Gott hat uns stark gemacht und wo wir dann wirklich nicht weiter kommen, sorgt er für alles andere.

 

3. Der Adler fliegt frontal in die Turbulenzen.

 

Wir können besonders in den Stürmen lernen, unseren Blick auf Jesus zu richten. Auf DAS Ziel, auf andere Ziele, die wir erreichen sollen.

 

Auch wenn wir hingefallen sind. Dann können wir in diesem Wissen wieder aufstehen und ein neues Ziel ansteuern.

 

Und darauf vertrauen, dass Gott uns nicht zu viel zumutet.

 

Paulus schreibt den Korinthern ins Stammbuch:

 

Wenn euer Glaube auf die Probe gestellt wird, schafft Gott auch die Möglichkeit, sie zu bestehen. 1.Korinther 10, 13

 

Und dieses Wort gilt auch uns.

 

4. Irgendwann im Sturm hört der Adler auf mit den Flügeln zu schlagen.

 

Ein Sturm ist ein großer Wirbel, das hat der Adler gelernt. Wenn er den richtigen Luftstrom erreicht hat, lässt sich der Adler in einer Spirale aufwärts tragen. Schließlich lässt er sich oben über die Sturmkante gleiten, wo es ganz windstill ist.

 

Von dort oben kann er auf den Sturm zurückblicken und danken, dass er es geschafft hat, nun kommt die leichte Etappe!

 

Ich weiß nicht, ob ein Adler wirklich dankbar sein kann. Aber wir können es sein. Wir haben Grund zu danken! Könnten, denn nicht immer können wir es, daher auch die Aufforderungen, die in der Bibel stehen.

 

Dankt Gott für alles… 1. Thessalonicher 5,18

 

 

Ich könnte euch noch viel mehr erzählen, was der Adler alles macht, von dem wir für unser Glaubensleben und Entscheidungen in der Gemeinde lernen können.

 

By the way, ich muss euch etwas gestehen: die Anregungen zu dieser Predigt habe ich geklaut. Aus einem Buch: Adlerauge von Leo Bigger. Leo Bigger haben wir letztes Jahr auf dem Willow-Creek-Kongress in Hannover erlebt. Mich hat besonders seine unkonventionelle Art fasziniert, mit der er Menschen zum Glauben führt. Er ist Gründer der ICF Gemeinden, die es mittlerweile nicht nur in der Schweiz, sondern sogar bis ins Umland von Berlin gibt. Leo Bigger ist ein großer Mutmacher und ich wollte euch auch Mut machen.

 

Mutmachen, darüber nachzudenken, was es für Dich, was es für die Gemeinde bedeutet, jung wie ein Adler zu werden.

 

Mutmachen uns von Gott aus dem kuscheligen Nest werfen zu lassen, in dem wir uns so gemütlich eingerichtet haben.

 

Mutmachen fliegen zu lernen, den Blick fest auf das Ziel gerichtet, das er uns gibt.

 

Mutmachen durch die Turbulenzen ganz nach oben zu fliegen.

 

Über den Wolken zu schweben. Den Blick zugleich zum Himmel und zur Erde gerichtet. Den Sternen nah zu sein. Gottes Herrlichkeit dort zu sehen. Seine Allmacht und Allgegenwart zu spüren. Den Überblick zu haben und neue Wege zu sehen.

 

Dazu ist man niemals zu alt oder zu jung.

 

Weder als Einzelner, noch als Gemeinde.

 

 

Amen

 

Das in der Predigt erwähnte Buch:

Leo Bigger: Adlerauge. Ein Buch über Berufung, Vision und Fokussierung, fontis, Basel, 2014

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